“Der letzte Akkord“

Am 20. März fand mit den Themen Abschied, Trauer, Trost und Hoffnung eine besondere Veranstaltung in St. Katharinen in Kirchbarkau statt. Vanessa Meyer-Zurwelle, Annika Senger und Mathias Stöver Gesang, am Violoncello Michael de Plonty und am Klavier Mathias Grünberg hatten zu 19:00 eingeladen. Geboten wurden Cover-Songs in der gut gefüllten St. Katharinen.

Roi Bartsch hatte für diesen Anlass sehr wirkungsvoll Bühne und Licht arrangiert und sein Bruder Jörg belohnte das Ensemble mit einer hervorragenden Akustik!

Dieser Abend war dem „Sternenkinderprojekt“ gewidmet und die Spende der Gäste wird nicht nur dem Sternenkinderplatz auf dem Friedhof, sondern auch Eltern dienen, denen in Krankenhäusern oder bei Hebammen das Schicksal ereilt hat. Da das Ensemble, auch die Brüder Bartsch, diesen Abend ehrenamtlich gestalteten, stehen 500 Euros für die Sternenkinderarbeit zur Verfügung.

Matze und Mattis eröffneten den Abend eindrucksvoll mit „Spiel mit das Lied vom Tod“, das Lied ging mit dem Ensemble über in den 1. Song des Abends, mit „Eye of the Tiger“ der Band Survivor. Es war die Filmmusik von Rocky und dieser Film war für den Schauspieler Stallone ein autobiografischer Überlebenskampf. Deswegen passte dieser Song in das Repertoire und außerdem musste Rocky in dem Film seine Lebensliebe Adrian zu Grabe tragen.

Vanessa begrüßte das Publikum mit folgenden Worten:

Es bedeutet mir sehr viel, dass ihr hier seid und diesen besonderen Abend mit mir teilt. Abschied, Tod und Trauer sind Themen, die wir im Alltag eher meiden. Danke, dass ihr trotzdem gekommen seid. Vielleicht gibt es an diesem Abend auch die Möglichkeit, aus dem Traurigkeitsgefühl heraus in ein tröstendes Gefühl zu kommen: sich erinnern, sich durch die Musik verbinden. Nicht allein sein. Gemeinschaft.

Das Programm des hervorragenden Ensembles war überwältigend, welch ein stimmungsvolles Licht und welch eine absolut saubere Akustik verzauberte den Abend. Die berührenden Songs zu Abschied, Trauer und Trost wurden für das Publikum gefühlvoll eingeführt und kommentiert, wie das folgende Programm zeigt:

„Der letzte Akkord“

Trauerprozesse durchlaufen Menschen im Todesfall, aber auch in den verschiedensten Lebenssituationen. Das Kind wird erwachsen und geht aus dem Haus, die Trennung einer Liebesbeziehung, das Verlassen der Heimat. Dabei trauert jeder Mensch auf seine Weise.

Trauer ist immer Liebe, die einen Weg sucht. Ob durch Tränen, Gedanken, Handlungen, Gebete oder Stille. Entscheidend ist, dass sie in Bewegung kommt.

In dem Song „In diesem Moment“, singt Roger Cizero fast „prophezeiend“ über das Thema Endlichkeit. Am 24. März 2016 wurde Cicero im Alter von 45 Jahren in Folge eines Hirninfarks aus dem Leben gerissen. Musik macht ihn unsterblich für seine Zuhörer.

2. R. Cicero- In diesem Moment

Lina Maly, eine Newcomerin aus Elmshorn, schrieb den nächsten Song „Als du gingst“ um den Tod einer Freundin zu verarbeiten. Er basiert auf einen Brief, den Lina ihrer Freundin vor ihrem Tod schrieb und der ihr Mut machen sollte.

3. Song Als du gingst

Der Song „I will survive“ von Gloria Gaynor ist eine kraftvolle Hymne über Selbstbestimmung, Stärke und Überleben. Der Song beginnt mit Schmerz und Verlassenheit. Doch schon bald wandelt sich die Stimmung. Die Erzählerin erkennt ihre minnere Stärke und beschließt Gestalterin ihres Lebens zu sein. Die zentrale Botschaft lautet: „Ich werde überleben“ trotz Herzschmerz, Rückschlägen und Enttäuschungen.

4. I will survive

Auch die finnische Band Nightwish sagt zu ihrem Song „Lanternlight“: Es ist eine Ballade, die sich mit den Themen Liebe, Verlust und Sterblichkeit auseinandersetzt. Der Kreislauf des Lebens wird gefeiert, die Erinnerung und die Verbindung zu vergangenen Generation.

5. Song Lanternlight

Scheinbar war zu dieser Zeit der Tod für die Menschen präsent, er gehörte zum Leben dazu. Heute ist es oft so, dass Familien die Wünsche der oder des Verstorbenen über die Beerdigung nicht kennen. Auch wenn es klar ist, dass der Tod naht, weil man schwer erkrankt ist, sogar dann kann man sich, bei dem riesigen Angebot überlagert von Emotionen oftmals nicht entscheiden. Warum sich nicht schon jetzt, mitten im Leben Gedanken machen? Einen regnerischen Herbsttag nutzen, um bei Kerzenschein und Musik zwei Briefe verfassen: einen mit dem Lebenslauf und einen, wie man sich die eigene Beerdigung vorstellt. Sarah Connor tat dies in ihrem Song „das Leben ist schön“.

6. Sarah Connordas Leben ist schön

Über den Übergang, die Reise in den Himmel, erzählt der Song „Into the West“ von Annie Lennox. Es wurde für den Film „Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ geschrieben, es stellt eine Wehklage über die Mittelerde verlassenden Elben dar, die in den Westen davonsegeln. Es geht ums Loslassen können, ich darf gehen. Lasst uns so Leben, dass wir dann später auch gut gehen können.

7. Annie Lennox – Into the West

Das Thema Tod ist schon im Leben wichtig. Vielleicht ist es uns möglich intensiver zu leben, mehr im Moment. Und sicherlich werden die Momente, in denen man geliebt hat, auch Momente sein, an die man sich am Lebensende erinnert. Und dabei denken wir auch an die Liebe von Eltern und Kind, die Liebe innerhalb der Familie und die Liebe und den Halt, den Freunde einem geben können. Der Song „ Winter“ von der Künstlerin Tori Amos ist ein wunderschöner Song, in dem die Sängerin über die Erkundung des Selbstwertgefühls, des Älterwerdens und der Beziehung zu ihrem Vater nachdenkt.

8. T. Amos – Winter

Vanessa : „Wohnend im Pastorat begegne ich häufig Menschen, die sich von ihren Liebsten verabschieden müssen. Mir fällt es nicht leicht, darauf gut zu reagieren. Unsicherheit macht es mir schwer, tröstende Worte zu finden, „Mein Beileid“ scheint so oberflächlich zu sein. Die Trauer anderer auszuhalten ist nicht leicht, genau wie die eigene Trauer. Lieder sind dabei auch wie Sonnenstrahlen, die durch den Kummer dringen können.

9. GrönemeyerDieser Weg

Lebe heute und verschiebe nichts auf morgen. Nicht erst, wenn die schwere Krankheit schon da ist. Songwriter und Songwriterinnen wie die Französin Barbara Pravi, die Siegerin des Eurovision Song Contests 2021, will in dem letzten Song des heutigen Abends Voila zeigen, wer sie sei und was fühlt. Es sei nicht viel, aber es sei wahr. Und darum geht es. Eine Authentizität, die hörbar ist, die uns eine Gänsehaut bereitet. Ein Kanal für sich selber, um Emotionen auszudrücken und zu verarbeiten und diese auch den Zuhörern durchleben zu lassen, damit sie daran anknüpfen können. Emma Kok, eine 15-jährige Ausnahmesängerin, ist mit der Interpretation dieses Songs berühmt geworden. Sie ist leider unheilbar krank, sie leidet an einer Magenlähmung

10. B. Pravi – Voila

Vanessa schloss den bewegenden Abend mit den Worten:

Killing me Softly ist unsere Zugabe – darin wird ein Leben besungen, die Lebensfreude kann durch eine Zeit anhaltender emotionaler Turbulenzen gemindert werden. Aber was steigert sie? Worauf sollten wir unseren Fokus setzen? Wir brauchen Feuer für Dinge, die wir tun, wir sollten sie mit dem ganzen Herzen tun. Gemeinsam Musik zu machen, ist dabei für mich immer ein besonderer emotionaler Kraftgeber gewesen. Vielen Dank an dieser Stelle an diese Seelenstimmen Annika und Matze, an Mattis Grünberg am Flügel und an Michael Deplonty am Cello, dass ihr mit mir gemeinsam musiziert habt.“

Doch anhaltender Applaus bis hin zu stehender Ovation „erzwang“ die Zugabe „Tears in Heaven“ von Eric Clapton. Mit einem Umtrunk und reger Kommunikation ging ein emotional erfüllender Abend dem Ende zu.